Revenge Porn: Mann verschickt Nacktfoto von Ex

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Fribourg«Völlig untragbar» – 28-Jähriger kommt mit Revenge Porn ungeschoren davon

Ein Freiburger (28) kaperte Social-Media-Accounts seiner Ex-Freundin und verschickte ein Nacktbild von ihr. Wegen einer «Lücke im Strafgesetz» kommt er ungeschoren davon.

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Auf Social Media verschickte ein Mann ein Nacktfoto von seiner Ex-Freundin, … 

Auf Social Media verschickte ein Mann ein Nacktfoto von seiner Ex-Freundin, … 

dpa Picture-Alliance/AFP

… nachdem er sich Zugang zu ihren Social-Media-Konten verschafft hatte.

… nachdem er sich Zugang zu ihren Social-Media-Konten verschafft hatte.

20 Minuten

Bestraft wird er nun nur, weil er unberechtigt auf die Konten zugriff. Für das Verschicken des Nacktbildes von ihr bleibt er unbestraft.

Bestraft wird er nun nur, weil er unberechtigt auf die Konten zugriff. Für das Verschicken des Nacktbildes von ihr bleibt er unbestraft.

Stefan Leimer

Ein Freiburger loggte sich mit seinen Handys in mehrere Social-Media-Accounts seiner Ex-Freundin ein – und das ohne deren Wissen. Dabei verschickte er auch ein Foto von ihr, auf dem sie nackt war. Für diese Tat kommt er jedoch ungeschoren davon.

Der Fall 

K.L.* hatte während seiner Beziehung mit B.W.* ihr Notizbuch mit Passwörtern gefunden und sich diese aufgeschrieben. Nach dem Beziehungs-Aus nutzte er diese Codes und verschaffte sich Zugang zu B.W.s Facebook-, Snapchat-, Instagram-, Tinder- und Badoo-Konten. Dort chattete er mit mehreren Frauen und Männern und gab sich als seine Ex-Freundin aus. Nicht nur loggte er sich innert einem Monat 385 Mal in ihren Facebook-Account ein, sondern löschte auch ihr Konto bei der Dating-Plattform Badoo und likte 28 Fotos mit B.W.s Tinder-Profil, wie dem Strafbefehl zu entnehmen ist.

Der 28-Jährige schrieb Social-Media-Userinnen und -Usern in B.W.s Namen zum Beispiel, dass er sich viele Gedanken über Sex mache, neue sexuelle Gelüste habe und auch davon träume, dominiert zu werden. Ausserdem schickte K.L. einem User ein Selfie von seiner entblössten Ex-Freundin. Diese hatte ihm das Bild während der Beziehung geschickt. Auf dem Foto waren B.W.s Kopf und ihr nackter Oberkörper zu sehen.

Der Empfänger des Nacktfotos – ein Bekannter K.L.s – kontaktierte nach Erhalt K.L. und fragte ihn aufgrund der sexuellen Text-Nachrichten und des Selfies, ob seine Ex-Freundin möglicherweise gehackt worden sei. K.L. antwortete, dass er nicht glaube, dass ihr Konto gehackt worden sei, und fügte an, dass diese Nachrichten sehr wahrscheinlich von B.W. stammten, weil sie generell ziemlich frech und für viele Dinge offen sei.

Verschicken des Nacktfotos bleibt unbestraft

Obschon K.L. bei seiner Anhörung bestritt, die Konten gehackt und mit Userinnen und Usern gechattet zu haben, ist der Staatsanwalt davon überzeugt, dass er für die Taten verantwortlich ist. So wurde der 28-Jährige nun per Strafbefehl wegen unberechtigten Zugriffs auf ein Computersystem, wegen versuchten unberechtigten Zugriffs auf ein Computersystems, wegen Beschädigung von Daten und Verleumdung verurteilt. Jedoch wurde er weder wegen Verschickens des Nacktfotos noch wegen Missbrauchs von Telekommunikationsanlagen verurteilt.

Der Mann muss nun eine Busse von 700 Franken bezahlen und die Verfahrenskosten und Bearbeitungsgebühren in der Höhe von 522 Franken übernehmen. 

«Verabscheuungswürdiges Verhalten»

Céline Vara, Anwältin und Grüne-Ständerätin, sagt zum Fall: «Das ist ein klarer Fall von Revenge Porn. Damit bezeichnet man die Weitergabe von sexuellen Inhalten an Dritte ohne die Zustimmung der Person, die darin identifiziert wird.» Über das Urteil ist Vara empört: «Das ist völlig untragbar. Es handelt sich um einen typischen Fall von sexueller Rache, bei dem ein Partner dem anderen Schaden zufügen will.» Es erscheine ihr unglaublich, dass das Schweizer Strafrecht solche Verhaltensweisen nicht verurteile.

Vara sagt weiter: «Viele Länder verfolgen dieses verabscheuungswürdige Verhalten – und das aus gutem Grund – denn es verursacht grosses Leid bei den Opfern.» Manchmal könne es sogar zum Selbstmord führen. Deshalb sei es wichtig, dass das Schweizer Strafrecht dieses Verhalten verurteile, um diejenigen abzuschrecken, die versucht sein könnten, solche Inhalte zu teilen. «Wir haben es hier mit einer Lücke in unserem Strafrecht zu tun und es ist höchste Zeit, diese zu schliessen. Es macht auch durchaus Sinn, dies jetzt im Rahmen der Revision des Sexualstrafrechts zu tun», so die Ständerätin. Wie der Ständerat empfiehlt auch die Nationalratskommission, dass Rachepornografie (Revenge Porn) neu strafrelevant werden soll.

*Namen der Redaktion bekannt

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