Renovate Switzerland: Das planen die Klimaaktivisten 2023

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KlimaaktivismusDas planen die Aktivisten von Renovate Switzerland für 2023

2022 machten die Aktivisten von Renovate Switzerland mit Strassenblockaden Schlagzeilen. Sie fordern vom Bund eine «Generalmobilmachung zur Gebäudesanierung». Wie gehen die Proteste 2023 weiter?

Wie geht es 2023 weiter? Mit diversen Strassenblockaden machte Renovate Switzerland 2022 auf sich aufmerksam.

Wie geht es 2023 weiter? Mit diversen Strassenblockaden machte Renovate Switzerland 2022 auf sich aufmerksam.

Renovate Switzerland

Darum gehts

  • 2022 machten Aktivistinnen und Aktivisten aus der Klimabewegung vor allem mit Strassenblockaden Schlagzeilen. Unter dem Namen Renovate Switzerland blockierten sie allein in zwei Oktoberwochen sieben Hauptverkehrsachsen.

  • Klimaaktivistinnen und -aktivisten aus Grossbritannien kündigten an, zukünftig auf Strassenblockaden zu verzichten. Hat das auch Konsequenzen für die Schweiz?

  • Renovate Switzerland kündigt an: «Wir werden die Strassenblockaden so lange fortsetzen, bis die Politik die Forderung der Kampagne umsetzt.» Diese lautet: Der Bund soll vier Milliarden Franken bereitstellen, damit 100’000 Personen auf Berufe aus dem Baugewerbe umgeschult werden und Gebäude sanieren können.

  • Derweil setzt der Klimastreik weiterhin auf Demonstration, will aber zum ersten Mal auch Schulen besetzen.

2022 fiel die Klimabewegung durch Aktionen auf, die stärker provozierten als alle in den Jahren zuvor: Innert gerade einmal zwei Oktoberwochen blockierten Aktivistinnen und Aktivisten von Renovate Switzerland sieben Hauptverkehrsachsen in Lausanne, Bern und Zürich, indem sie ihre Hände auf den Asphalt klebten. Die britischen Klimaaktivistinnen und -aktivisten von Extinction Rebellion kündigten inzwischen an, vorerst auf solche Strassenblockaden zu verzichten. Hat das Auswirkungen auf die Aktivistinnen und Aktivisten in der Schweiz?

«Wir werden die Strassenblockaden so lange fortsetzen, bis die Politik die Forderung der Kampagne umsetzt», sagt Cécile Bessire von Renovate Switzerland auf Anfrage von 20 Minuten. Die Forderung: Der Bund soll vier Milliarden Franken bereitstellen, damit 100’000 Personen auf Berufe aus dem Baugewerbe umgeschult werden und Gebäude sanieren können. Die Aktivistinnen und Aktivisten nennen das eine «Generalmobilmachung zur Gebäudesanierung». Gebäude sind in der Schweiz für 40 Prozent des Energieverbrauchs und rund ein Drittel der CO2-Emissionen verantwortlich.

Von Öl- und Disney-Erben finanziert

Die Blockaden von Renovate Switzerland erinnern dabei an jene der Letzten Generation in Deutschland oder Just Stop Oil in Grossbritannien. Auch diese klebten ihre Hände auf den Asphalt viel befahrener Strassen. Zusätzlich machten sie zum Beispiel damit Schlagzeilen, Suppe auf das Sicherheitsglas eines Van-Gogh-Gemäldes zu schütten.

Die Ähnlichkeiten sind kein Zufall: Renovate Switzerland, die Letzte Generation und Just Stop Oil gehören alle dem Network A22 an, das unter anderem vom Climate Emergency Fund finanziert wird. Das Budget des Fonds stammt unter anderem aus Spenden der Öl-Milliardärin Aileen Getty, dem Hollywood-Regisseur Adam McKay und der Disney-Erbin Abigail Disney.

Neue Protestformen in 2023?

Sind auch von Renovate Switzerland neben den Blockaden bald andere Protestformen zu erwarten? «Andere gewaltfreie Mittel sind nicht ausgeschlossen», verrät Cécile Bessert. Es brauche mehr gewaltfreie Störaktionen, um angesichts der Klimakrise den Druck auf die Politik zu erhöhen. Während sich Extinction Rebellion auf eine Grossdemonstration vor dem britischen Parlament fokussieren will, sagt Bessert klar: «2019 haben 100’000 Menschen in Bern für mehr Klimaschutz demonstriert. Das hat keine konkreten Massnahmen gebracht.»

Obwohl bei den Wahlen nach der grössten Demonstration der Schweizer Geschichte von einem Grünrutsch die Rede war: Auch der Klimastreik verbucht die seither beschlossenen Klimamassnahmen als Ernüchterung. «Demonstrationen bleiben wichtig», sagt Aktivist Cyrill Hermann zu 20 Minuten. «Nicht jede Person kann sich eine Begegnung mit der Polizei leisten. Für Menschen ohne Schweizer Pass oder für weiblich gelesene Personen ist die Teilnahme an Aktionen zivilen Ungehorsams gefährlicher.»

Erstmals Schulbesetzungen geplant

Anlässlich des globalen Klimastreiks am 3. März werden daher in allen grossen Schweizer Städten Menschen auf die Strasse gehen. Zusätzlich diskutieren die Aktivistinnen und Aktivisten auch Aktionen in Muttenz, wo 2023 ein Flüssiggasterminal gebaut werden soll. «Dort und beim Gaskraftwerk in Birr versagt die Schweizer Klimapolitik gerade am meisten», kommentiert Hermann.

Doch auch für den Klimastreik ist klar: Demonstrationen allein genügen nicht. «2022 war für das Klima wieder ein verlorenes Jahr», so Hermann. Anfang Februar wird die Bewegung zum ersten Mal Schulen in Basel und Zürich besetzen. Einer der Gründe: Der aktuelle Unterricht sei realitätsfern. Cyrill Hermann: «Wir fragen uns, wieso wir wissenschaftliche Fakten auswendig lernen müssen, die unsere Regierung selbst ignoriert.» 

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